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Kleinbasler Zeitung: «Pop Up-Theater: von Goethe bis Love Letters»

Samstag, 18. Dezember 2021

Ein Viertel Jahrhundert lang war die alte Zollhalle im Badischen Bahnhof unser Theater. Eine schmucklose Halle, die wir in ein wunderbares Theater verwandelt haben - ein Theater mit einer einmaligen, geradezu intimen Atmosphäre. Ein ideales Schauspielhaus, in dem die Zuschauerinnen und Zuschauer ganz nahe am Geschehen und an den Menschen auf der Bühne waren. Und in dem wir unter fast idealen Bedingungen unsere rund 150 Theater-Inszenierungen erarbeiten und spielen konnten. - Und das mitten im Glaibasel! - Für unsere zig-Tausend Theater-Gäste aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland ein idealer Standort: mit Bussen, S-Bahn und «Trämli» leicht erreichbar, mit Parkhaus, mit eigener Autobahnausfahrt. Und nur für (ein paar wenige) Grossbasler: auf der falschen Rheinseite! - Und jetzt steht diese Halle wieder leer. Trostlos. - Dass wir dieses einmalig schöne Kleinbasler Theater jetzt wieder zurückbauen mussten, in eine atmosphärenlose Zollhalle, das tut schon weh. - Die Bühne, den Zuschauerraum, das gemütliche Theater-Foyer mit den genialen Piatti-Plakaten…! Und dann der Gedanke, dass alle unsere Zuschauersitze, die ich schon einmal - zwei Tage vor dem Abbruch des Basler Schauspielhauses, der «Komödie» - retten konnte, jetzt doch auch als «Sondermüll» vernichtet werden sollten (kein Theater konnte sie brauchen, kein neues Theater wird gebaut) nagte schon etwas an meinem Herzen. Und da ein kleines Wunder: unsere Stühle als Erinnerung an schöne Theaterzeiten als Dreier-Combi anzubieten, wurde zum absoluten Hit. - Alle unsere noch brauchbaren Plüsch-Theater-Stühle sind gerettet! - Alle haben bei Menschen, die Theater gern haben - die unser Theater gern haben - ein neues «Zuhause» gefunden. Schön!

Das Förnbacher Theater ist Geschichte.

Ja, unser Theater im Badischen Bahnhof ist nach 25 Jahren Geschichte. Theater-Geschichte! - Aber die Company existiert noch. Nur: vorläufig ohne eigenes Haus. Aber es gibt uns noch. - Und das wollen wir zeigen.

 

Neuer Theater-Ort?

Noch weiss ich nicht, wo es für unser Theater endgültig weitergeht. Es gibt aber auch da einen Lichtblick. Und das direkt vis-à-vis von unserem Theater - im ehemaligen Kino Royale. Durch Zufall wurde ich darauf aufmerksam. Der Raum ist immer noch richtig schön und hervorragend restauriert - und er wird viel zu wenig genutzt - und er wäre eventuell sogar eine Option für die Zukunft der Company. Gemeinsam mit den jetzigen Mietern könnte man sich den Raum vielleicht künftig teilen.

 

Endlich «Good News»!

Wir spielen wieder! - Eine ganze Pop-Up-Theater-Woche lang, in der letzten Dezemberwoche - vom 26. Dezember bis und mit Silvester! - Ein «Best Off» unserer Theaterproduktionen - im wunderschön erhaltenen Raum des ehemaligen Kino Royal, in der Schwarzwaldallee 175, direkt gegenüber von unserem Theater im Bad. Bahnhof.

Mit unserer Theaterwoche Ende Dezember wollen wir nun einen Testlauf machen. Schauen, was an Infrastruktur noch fehlt. - Zuerst muss allerdings das Bauinspektorat grünes Licht geben. Das bedeutet, dass man die Sicherheits-, Betriebs- und Umweltbestimmungen anpassen muss. Und das ist in diesem Fall eine ziemlich aufwändige Sache.

Aber jetzt spielen wir! Acht Vorstellungen in sechs Tagen! - Mit unserem «Pop-Up»-Theaterangebot wollen wir in einer schwierigeren Zeit, ein positives kulturelles Zeichen setzen! - In diesem Jahr doch noch einmal spielen zu können - das tut richtig gut!

 

Das Förnbacher Pop-Up

Theaterprogramm!

Am 26. Dezember eröffnen wir die Pop-Up-Woche um 15 Uhr mit Goethes „Faust“: das meistzitierte und immer noch meistbesuchte Theaterstück im gesamten deutschen Sprachraum - und im Wortsinn ein Lebenswerk. Begonnen im Alter von 21 endet Goethes Arbeit daran erst im 82. Lebensjahr – kurz vor seinem Tod. Ebenfalls am 26. Dezember, 19 Uhr, ist Stefan Vögels Komödie „Die Niere“ zu sehen, ein Stück, das nicht nur an die Nieren, sondern vor allem auch an die Lachmuskeln und ans Herz geht. Eine witzige, intelligente Komödie, die sich traut, brisante, aktuelle Themen anzupacken und die entscheidende Frage stellt: Liebling, was bist du wirklich bereit für mich zu tun? Am Abend darauf, am 27. Dezember, Krimi-Time! - Da steht Friedrich Dürrenmatts „Der Richter und sein Henker“ auf dem Spielplan, eine Hommage zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt. Am 28. Dezember, folgt dann die politisch unkorrekteste, frechste, witzigste Komödie des Jahres!: „Extrawurst!“ in der Basler Fassung von Helmut Förnbacher. Es geht um die Wurst. Die Bratwurst und den «Glöpfer». - Und um Toleranz. Kurz: es geht ums Ganze…! Auf der Traktandenliste der eigentlich harmlosen Mitglieder-Versammlung eines Basler Tennisclubs muss nur noch über den Kauf eines neuen Grills für das Sommerfest abgestimmt werden. Und da besteht ein Mitglied auf einen eigenen, zusätzlichen Grill für den einzigen türkischen Tennisspieler im Club. - Chaos…! - Der friedliche Anlass eskaliert und der Verein steht kurz vor der Auflösung. - Und so wird diese Komödie, die sich nicht im geringsten um politisch korrekten Bühnensound schert, zu einem hinreissend komischen Theaterabend. - Eine «Mitglieder-Versammlung», bei der man einfach dabei gewesen sein muss…! Am 30. Dezember ist die letzte Gelegenheit Florian Zellers grossartiges, berührendes (gerade mit zwei Oscar preisgekröntes) Drama „Der Vater“ (The Father) mit Helmut Förnbacher in der Titelrolle zu sehen. - Diese Inszenierung (von Verena Buss) dürfen Sie nicht verpassen! Und schliesslich an Silvester um 16.30 und 19.30 Uhr, wird es wieder leicht und amüsant! Eine Komödie mit Tiefgang: „Der Vorname“ (le Prenom) , ein „herrlich witziger, intelligenter Theater-Spass“. Wie reagiert eine Familie, wenn der Vater bei seinem Sohn auf einem Vornamen besteht, der niemandem gefällt… Die zurzeit meistgespielte französische Komödie. Und zum Jahreswechsel - um 22h45: als besinnlicher Übergang ins neue Jahr: Eine Geschichte fürs Herz - eine der schönsten Geschichten über die Liebe: das Kult-Stück: „Love Letters“.

von Helmut Förnbacher (für die Kleinbasler Zeitung)