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Extrawurst: unsere Komödie "mit Biss" - der Aufsteller für's Wochenende

Freitag, 16. Oktober 2020

Das Förnbacher Theater in Basel startet in eine besondere letzte Saison

Badische Zeitung, 25.08.2020

Letzte Saison am Badischen Bahnhof: Die Tür zum Förnbacher Theater bleibt offen, das Foyer wird mit Stehtischen nach draußen erweitert. Foto: Roswitha Frey.

Um die Wurst geht es in der bissigen Komödie, mit der das Förnbacher Theater am Freitagabend in seine letzte Saison im Badischen Bahnhof Basel gestartet ist. Theaterleiter und Regisseur Helmut Förnbacher hat das Stück "Extrawurst" der Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob in Baseldytsch bearbeitet und mit viel Lokalkolorit gewürzt. Seine Basler Fassung dieser Satire punktete beim Premierenpublikum mit treffsicheren Pointen und erfrischendem Spielwitz.

Abschied vom Badischen Bahnhof unter besonderen Umständen

Der Auftakt der 24. Spielzeit in der Theaterhalle im Badischen Bahnhof ist für die Förnbacher Theater Company in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen gilt es, den Theaterbesuch in Corona-Zeiten für die Zuschauer so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten. Zum anderen heißt es für das Ensemble, am Ende der Saison Abschied zu nehmen vom langjährigen Spielort in der ehemaligen Zollhalle. Wegen geplanter Bauarbeiten am Bahnhof müssen die Theaterleute 2021 ihre Koffer packen und umziehen.

Doch zunächst legt Förnbachers Theater Company mit vier Neuinszenierungen und zahlreichen Wiederaufnahmen einen prall gefüllten Spielplan vor. Die Corona-Schutzmaßnahmen sind gut in den Theaterbetrieb integriert: Die Eingangstür wird offen gelassen, Desinfektionsmittel stehen parat, ein Ventilator fächelt Luft in den Raum. Die Zahl der Zuschauer ist auf 70 begrenzt, die sich im Saal mit gebührenden Abständen auf den bequemen roten Sitzen verteilen. Etliche Besucher tragen Mund-Nasen-Masken. Es besteht aber keine Maskenpflicht. Vor dem Theater sind Stehtischchen aufgebaut, so dass sich die Theaterfans in der Pause sowohl draußen als auch im Foyer aufhalten können. Einlass und Hinaustreten funktionieren sehr gut mit Abstand.

Genuss für die Zuschauer nach langer Durststrecke

So genießen es die Besucher sichtlich, nach monatelangem Kulturstillstand ins Theater zu gehen. In der mit scharfzüngigen Dialogen und Situationskomik gespickten Komödie läuft die Versammlung eines elitären Basler Tennisclubs völlig aus dem Ruder. In seine Version packt Förnbacher aktuelle Anspielungen auf die Basler Gesellschaft hinein: von Blocher bis zur Basler Zeitung, vom Stadtcasino bis zu den Stararchitekten Herzog & de Meuron. Förnbacher gibt den Club-Präsidenten, der weltmännisch-jovial auf Fairplay pocht. Großspurig schwärmt er vom sündhaft teuren Clubhaus. Doch über die Anschaffung eines Grills fürs Sommerfest entzündet sich eine hitzige Debatte. Es wird heftig diskutiert, ob für das einzige türkische Clubmitglied ein zweiter Grill angeschafft werden solle. Zumal der Muslim kein Fleisch von einem Grill essen darf, auf dem Schweinefleisch gebrutzelt wird. Aus dem Hin und Her um Bratwürste und Wienerle entbrennt ein Schlagabtausch über ernste politische Themen wie Integration, Respekt gegenüber Kulturen, Einwanderungspolitik und Alltagsrassismus. Und aus der witzigen Satire wird ein entlarvendes Stück von gesellschaftspolitischer Brisanz.

Matthias Klausener als hitzköpfiger Verfechter der Schweizer Bratwurst-Tradition redet sich immer mehr in Rage. Lou Bihler verkörpert mit sympathischer Ironie das türkische Tennis-Ass Erol. Daniela Bolliger als seine Partnerin im Doppel plädiert für Offenheit und Toleranz. Als ihr rasend eifersüchtiger Ehemann löst Percy von Tomei einen Ehezwist aus. So fliegen bald die Fetzen im noblen Tennisclub.