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Terror - Ihr Urteil! Schuldig oder nicht schuldig? Hochspannend... Wie entscheiden Sie...?

Donnerstag, 17. Januar 2019

In "Terror" im Förnbacher Theater in Basel urteilt das Publikum über den Angeklagten

 

Förnbacher Theater Basel spielt das Stück "Terror" und weist dabei den Zuschauern die Richterrolle zu.

 
In einen Gerichtssaal hat sich das Förnbacher Theater in Basel verwandelt. Verhandelt wird in dem Stück "Terror" von Ferdinand von Schirach ein Fall, wie er brandaktueller und brisanter kaum sein könnte: Ein Kampfjet-Pilot hat eine von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine mit 164 Personen an Bord abgeschossen, um 70 000 Menschen in einem vollbesetzten Stadion zu retten. Der Attentäter drohte, das gekaperte Flugzeug über der Fußball-Arena zum Absturz zu bringen. Nun ist der Major der Luftwaffe des Mordes angeklagt.

Die Theaterbesucher in der Theaterhalle im Badischen Bahnhof werden in diesem Gerichtsdrama aus ihrer passiven Zuschauerrolle gerissen und in die Verantwortung genommen. Sie sind es am Ende des fiktiven Prozesses, die darüber entscheiden, ob der Pilot freigesprochen oder schuldig gesprochen wird.

Die Zuschauer werden unmittelbar hineingezogen in dieses Justizstück des Bestsellerautors und Anwalts, das den Nerv dieser Zeiten von Terrorbedrohung und Terrorangst trifft und um die Frage kreist: Darf der Pilot in dieser Extremsituation die Menschen im gekaperten Flugzeug sterben lassen, um damit eine noch größere Katastrophe im Stadion zu verhindern?

In der Inszenierung von Helmut Förnbacher wird die Gerichtssituation in diesem Strafgerichtsprozess eindringlich auf die Bühne gebracht. Souverän und ruhig abwägend führt Philipp Steiner in der Rolle des Vorsitzenden Richters durch die Verhandlung. Kristina Nel als Staatsanwältin tritt streng und intellektuell argumentierend auf. Als Verteidiger agiert Helmut Förnbacher mit appellativen Worten, in denen er die zunehmende Bedrohung durch den Terrorismus deutlich hervorhebt. Er erinnert an die Bilder vom 11. September, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. "Das war terroristischer Massenmord", sagt der Verteidiger, "wir haben daraus gelernt, dass wir uns schützen müssen". Unter der ruhigen Fassade sichtlich aufgewühlt spielt Percy von Tomei den Oberstleutnant Lauterbach, der als Zeuge das dramatische Geschehen schildert und über die Überwachung des deutschen Luftraums informiert. Ein Attentäter habe das Flugzeug in seine Gewalt gebracht und zum Absturz bringen wollen. Nach dem Funkspruch sei eine Alarmrotte mit zwei Kampfflugzeugen aufgestiegen, um laut Befehl das entführte Flugzeug abzudrängen und zur Landung zu zwingen. Erst sei ein Warngeschoss abgegeben worden. Dann habe Major Koch im Kampfjet geschrien: "Wenn ich jetzt nicht schieße, sterben 70 0000 Menschen".

Falk Döhler, in Uniform, spielt den angeklagten jungen Militärpiloten Lars Koch, einen hochintelligenten, besonnenen Soldaten, darauf trainiert, in Extremsituationen die Nerven zu behalten und schnell zu reagieren. Gefasst, äußerlich ruhig, ohne Umschweife, ohne Ausflüchte schildert er die dramatischen Geschehnisse beim Abschuss: "Ich bin dort oben, ich trage Verantwortung, ich muss entscheiden." Er habe es für richtig gehalten, "wenige Menschen zu töten, um viele zu retten".

In ihrem Plädoyer als Staatsanwältin läuft Kristina Nel zu brillanter Form auf. Messerscharf und geschliffen argumentiert sie mit der Würde des Menschen, mit der Verfassung, mit Recht und Gesetz und damit, "dass das Leben nicht in Zahlen gemessen werden kann." Der Angeklagte sei kein Held, er habe getötet und sich in eine "gottgleiche Stellung" gebracht. Als Verteidiger hält Helmut Förnbacher in seinem Plädoyer dagegen, dass unsere Welt größter Bedrohung durch Terroristen ausgesetzt sei, dass unsere Freiheit, unsere Gesellschaft bedroht seien durch terroristische "Angriffe auf unser Leben". Das Publikum steht nun vor der schweren Entscheidung zwischen Gewissen, Moral und Recht. Je nach Urteil der Zuschauer wird ein anderes Ende im Stück gespielt. Bei der Premiere stimmte eine deutliche Mehrheit für Freispruch.
Roswitha Frey Badische Zeitung