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Zwei Konfessionen – ein Glaube / Zwei Königinnen – ein Land / Zwei Frauen – eine Liebe

Freitag, 23. November 2018

Abgründe und herausragende Frauengestalten

Das Förnbacher Theater spielt zum Saisonauftakt im Badischen Bahnhof in Basel Schillers "Maria Stuart".

Reduktion auf wenige Bühnenmittel, effektsicher eingesetzte Musik und die Konzentration auf die Sprache und die Schauspielkunst: Das ist die Linie, die Helmut Förnbacher auch in Schillers Klassiker "Maria Stuart" fährt, mit dem die Saison eröffnet wurde. Ein goldenes Podest und ein roter Samthocker auf der leeren Bühne bilden den Thron für Königin Elisabeth von England, der die Günstlinge und politischen Einflüsterer am Hof rote Rosen zu Füssen legen. Hoheitsvoll, kühl, machtbewusst gibt Kristina Nel die Herrscherin im weissen Hosenanzug. Ihre Monarchin, so scharfsinnig, streng und majestätisch im Auftreten, könnte eine Unternehmenschefin von heute sein.

Grandios lässt Nel die Zweifel, Skrupel, Gewissensnöte hinter der Aura der Eiseskälte durchscheinen. Durch die Wahl der Kostüme wird der Gegensatz der Charaktere sinnfällig: Hier die Königin in blendendem Weiss, dort ihre Konkurrentin im Kampf um die Krone, Maria Stuart, die im blutroten Kleid im Gefängnis auf das Schafott wartet. Dora Balog verleiht der Titelheldin Würde, Emotionalität, Gefühlswärme und ungebrochenen Stolz.

Der Fokus in Förnbachers Inszenierung liegt auf diesen herausragenden Frauengestalten, die das historische Drama zum packenden Theatererlebnis machen. Auf der einen Seite die im besten Sinne moderne und zeitgemässe Inszenierung, auf der anderen Seite die originale Schillersche Sprache, an der Förnbacher nicht rüttelt: Das geht perfekt zusammen. So fesselnd in Kammerspielatmosphäre auf die Bühne gebracht, wirken Intrigen, Ränkespiele und hetzende Scharfrichter bestürzend aktuell.

von Roswitha Frey (Badische Zeitung)