< Aktuell

Männer und andere Irrtümer - Das brillante Gegenstück zu "Caveman" - aus der Sicht der Frau

Freitag, 02. November 2018

Fulminantes Solo für eine Frau

Hysterisch, verletzlich, frustriert: Kristina Nel zeigt ihren ganzen schauspielerischen Facettenreichtum.

Eine Frau sieht rot. Am Anfang kommt sie mit einer Spielzeugpistole auf die Bühne, am Schluss verschwindet sie wieder mit einer Pistole in der Hand. Dazwischen spult sie zwei Stunden lang das volle Programm ab: betrogene Ehefrau, Verlassene, Verzweifelte, Wütende, Frustrierte, Traurige, das heulende Elend, die Fuchsteufelswilde, die ihren untreuen Mann hochkant rausschmeisst. Geballtes Frauenleben, -lieben und -leiden an einem Theaterabend, fulminant dargestellt von einer einzigen Schauspielerin: Kristina Nel.

"Männer und andere Irrtümer" ist ein hinreissendes Frauenstück, über das auch Männer lachen können sofern sie über Selbstironie, Humor und Selbsterkenntnis verfügen. Das Erfolgsstück der beiden französischen Autorinnen Michèle Bernier und Marie-Pascale Osterrieth, das nun im Helmut-Förnbacher-Theater im Badischen Bahnhof Basel Premiere hatte, ist sozusagen das Gegenstück, die Retourkutsche zu dem Bühnenrenner "Caveman", diesmal eben aus weiblicher Sicht. Auf der Bühne steht eine Frau, die mal "eine glückliche Frau" war mit allen Klischees, die dazugehören: perfekte Ehe, wohlgeratenes Kind, Häuschen auf dem Land, Zweitwagen. Doch nach zehn Ehejahren und abstumpfendem Alltag mutiert der vorher so zärtliche, aufmerksame und leidenschaftliche Ehemann zu einer "Mischung aus Forrest Gump und Rain Man", klebt nur noch vor dem Fernseher. Die "Eiszeit der Gefühle" bricht an. Aber plötzlich taucht er auf, der "Dämon im Mann". Die Alarmglocken läuten, wenn der Gatte plötzlich Diät und Sport macht, Sitzungen und Tagungen bis spätabends vortäuscht, und die Ehefrau schliesslich dahinterkommt, dass der Workaholic ein Verhältnis mit seiner Sekretärin hat.

Hier beginnt das furiose Solo von Kristina Nel, die sich in einem Marathon-Monolog den Männerfrust von der Seele redet. Sie wütet, schimpft, weint, ist bissig, biestig, empört, scharfzüngig, durchlebt und durchleidet alle Phasen und die ganze Gefühlsachterbahn einer betrogenen Frau: Liebe, Wut, Wehleid, Jammer, Trennungsschmerz, Trotz. Wenn sie so unverblümt offen, unverschämt direkt, witzig-ironisch und entlarvend über ihren Ehemann und Männer generell vom Leder zieht, wenn sie ihre spleenigen und zickigen Freundinnen, ihre Nebenbuhlerin oder ihren paffenden Ehemann nachahmt und im Schnelltempo zig verschiedene Rollen spielt, dann wirkt das wie Szenen aus "Sex and the City", "Desperate Housewives" und "Bridget Jones" am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Kristina Nel trägt dieses Ein-Frau-Stück mühelos mit ihrer quirligen, lebhaften Bühnenpräsenz, mit ihrem schauspielerischen Facettenreichtum, mit ihrer Gabe, glaubhaft und hautnah die Hysterische, die Verletzliche, die Frustrierte zu spielen - wobei Regisseur Stefan Saborowski das Optimum an szenischem Witz und Effekt aus diesem Frauensolo herausholt. Das Stück ist amüsant und nachdenklich zugleich, hat viel Komik, gibt viel preis über Frauen und Männer um die 40, über Ehen, Seitensprünge, Midlife Crisis, und verrät freimütig und offenherzig, wie Frauen über (Ehe-)Männer und typisch Männliches so denken.

ROSWITHA FREY